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Aufsatz
2017, 5, Heft 1/2, 87-104

Smarte Städte

Digitalisierte urbane Infrastrukturen und ihre Subjekte als Themenfeld kritischer Stadtforschung

Sybille Bauriedl
Anke Strüver

abstract

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Ersteinreichung: 10. März 2016; Veröffentlichung online: 21. Juni 2017
  1. 1. Einleitung

Die Digitalisierung urbaner Lebensweisen ist ein globales Phänomen. ‚Smart‘ steht für die Nutzung von Informationstechnologien (IT) zur Optimierung der Res­sourcen­nut­zung und zum effizienteren Stadtmanagement. Gleichzeitig hat sich die Nutzung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien in der Alltagspraxis rasant entwickelt. Städte und ihre Bewohner_innen sind mittlerweile so hochgradig digital vernetzt, dass dies sowohl die Orga­nisation der städtischen Daseinsvorsorge als auch urbane Interaktions- und Kommunikationsweisen verändert. In diesem Beitrag stellen wir aktuelle Forschungsstränge zur Digitalisierung von Städten und urbaner Praxis dar und leiten Fragestellungen für eine Smart City-Forschung ab, die diese unterschiedlichen Dynamiken in den Blick nimmt.

Der Begriff ‚Smart City‘ wurde von Anbieter_innen digitaler Groß­tech­no­logien geprägt. Er hat keine eindeutige Definition, genauso wenig wie ihre Synonyme ‚digitale Stadt‘, ‚intelligente Stadt‘ oder ‚Hightech-Stadt‘; ‚smart‘ wird vielmehr als Selbstzuschreibung oder Zukunftsvision sehr unterschiedlicher Städte verwendet (vgl. Albino/Berardi/Dangelico 2015). Dabei ist der IT-Einsatz für die Organisation städtischer Infrastrukturen und der Daseinsvorsorge nichts Neues. Neu ist jedoch die Ausweitung auf immer weitere Anwendungsbereiche. Immer mehr Stadtregierungen – sowohl im Globalen Norden als auch im Globalen Süden – verfolgen das Ziel, aus ihrer Stadt eine Smart City zu machen. Die Infrastruktur- und Dienst­leis­tungsangebote von IT-Unternehmen sprechen gezielt die Interessen einer unternehmerischen Stadtpolitik an: hohe Lebensqualität für die Stadt­bewohner_innen (sauber, sicher, gesund), niedrigschwelliger Zugang zur Stadtverwaltung (E-Governance), effizientes Management der Da­seins­vor­sorge (Müll, Mobilität) sowie reduzierter Ressourceneinsatz (Strom) und reduzierte Emissionen (motorisierter Verkehr). IT-Unternehmen konzentrieren ihre Aktivitäten gezielt auf Wachstumsmetropolen in Asien, um sie zu Hotspots digitaler Innovationen zu machen. Die chinesische Regierung beispielsweise förderte Smart Cities bis 2015 mit 159 Milliarden US-Dollar und die indische Regierung hat 2014 Investitionen für einhundert Smart Cities in Höhe von 7 Milliarden US-Dollar beschlossen (vgl. Novy 2015; Rauth 2015).[1] Gleich­zeitig vermarkten diese Unternehmen ihre IT-Infra­struk­turen und Dienstleistungen in Europa, Südamerika und Afrika.

In deutschen Städten lassen sich heute schon fast überall digitale Technologien wahrnehmen, die Teil der Versorgungsstruktur sind. Die Luft­qualität, der Verkehrsfluss und die Nutzung öffentlicher Müllbehälter wer­den mit Sensoren gemessen und die Daten an Kontrollstationen gesendet. Via Smartphone-App werden GPS-Daten der nächsten Fahrrad- oder Car­sharing-Leihstation abgerufen. Die Stadtforschung fragt bisher den­noch kaum nach den sozialen Effekten dieser Digitalisierung städtischen Lebens; die Smart City wird primär als eine Infrastrukturinnovation betrachtet. Rele­vant für eine kritische Stadtforschung sind jedoch auch As­pek­te der politischen und sozialen (Re-)Organisation städtischen Lebens und Regie­rens. In der deutschsprachigen Humangeographie liegen einzelne Publi­ka­tionen vor, die sich mit dem Stand der Digitalisierung in Städten beschäftigen (Hatzelhoffer et al. 2012) und den Einsatz von IT-Endgeräten für Versorgung und Kommunikation als „digitale Geographien“ beschreiben (vgl. Boeckler 2014, Thielmann 2014, Verne 2014). Die angloamerikanische Stadt­forschung betrachtet die Digitalisierung der Stadt zusätzlich aus hege­monietheoretischer (Hollands 2008, Kitchin 2014, Vanolo 2014) und die Medienwissenschaft aus diskurstheoretischer Perspektive (Reichert 2015).

Wir stellen die aus unserer Sicht zentralen Stränge der Smart City-For­schung in drei Abschnitten dar. Der Abschnitt ‚Be smart!‘ betrachtet die diskur­sive Ebe­ne der Effizienzsteigerung und Optimierung mittels IT. Der Abschnitt ‚Smart City‘ be­schreibt strukturelle Aspekte einer Stadtpolitik, die sich an technologischen In­no­va­tionen und an Public-Private-Partnerships des Stadtmanagements aus­richten. Daran anschließend werden unter der Überschrift ‚Smart Self‘ die Subjektebene der Nutzer_innen digitaler Technologien im Alltag und deren Selbststeuerungs- und Er­mäch­ti­gungs­poten­tiale diskutiert. Diese un­ter­schied­lichen Dimensionen der digitalisierten Stadt führen im letzten Abschnitt zu der Frage, in welchem Verhältnis vernetzte digitale Technologien und urbane Praxis zueinander stehen. Anders ausgedrückt: Was bedeutet es für eine Stadt und ihre Bewohner_innen, ‚smart‘ zu sein? Damit wollen wir einen Ansatz zur kritischen Reflektion sowohl neuer städtischer Imageproduktion als auch der Materialisierung digitaler Innovationen sowie des Gebrauchs digitaler Medien im städtischen Alltag bieten.

  1. 2. ‚Be smart!‘: Rhetorik und Materialität digitalisierter Infrastrukturen

Der Begriff ‚smart‘ als Bezeichnung permanenter digitaler Vernetzung und Innovation hat sich innerhalb kürzester Zeit verbreitet. In der digitalisierten Welt ist alles ‚smart‘ geworden, und das betrifft nicht nur technische Geräte oder die Infrastrukturen selbst: Auch deren Nutzer_innen werden ‚smart‘, und ebenso die Städte, in denen digitale Netzwerke und Dienstleistungen instal­liert werden. Die materiell-technologischen, sozialen und rhetorischen Komponenten dieser ‚smartness‘ sind jedoch nicht immer deckungsgleich: Mal ist die Nutzung erneuerbarer Energie-Technologien gemeint, mal sind es komplexe Informations- und Kommunikationsnetzwerke, mal die Internetverbindung zwischen Bürger_innen und Kommunalverwaltung.

Die Ausrufung von ‚smartness‘ geschieht unabhängig vom Um­set­zungs­grad der Digitalisierung und ist primär eine Willensbekundung oder ein Selbst­ver­ständnis lokaler Politik. Der Startpunkt auf dem Pfad zu einer Smart City beginnt mit der Selbstverpflichtung einer Stadtregierung eine Smart City sein zu wollen. Diese Selbstverpflichtung ist in der Regel mit der Unterzeichnung von Vorverträgen mit einem der global agierenden IT-Unternehmen und mit der Nutzung von digitalisiertem Infrastrukturmanagement (Hollands 2008) ver­bunden. Die Smart City lässt sich rhetorisch einfügen in die aktuell dominierenden Leitbilder der europäischen und nordamerikanischen Groß­städte. Diese postindustriellen Städte wollen grüne Metropolen sein für sogenannte kreative Unternehmen und deren Angestellte.

Der Smart City-Diskurs ist gekoppelt an einen Umweltdiskurs. Das Argu­ment eines reduzierten Ressourcenverbrauchs durch eine effiziente Infra­­struk­turnutzung ist ein wichtiges Element der Marketingstrategien von IT-Unternehmen. Hierfür bieten sie eine automatisierte Anpassung der Straßenverkehrssteuerung an Zeitrhythmen der Stadt an (Verkehrs­leit­systeme, Parkraumlenkung etc.) oder Informationssysteme, die Energie­ver­sorgungsunternehmen und Energiekonsument_innen miteinander verbinden (‚smart grids‘ etc.). Die digitale Konnektivität einer Smart City und die Möglichkeit, urbane Infrastrukturen bis hinein in die Haushalte zu regulieren, wird zum Charakteristikum einer ‚grünen Stadt‘. Von einer potentiellen Ressourcen- und Energieeinsparung wird hierbei auf eine absolute Einsparung durch die Anwendung der bereitgestellten Infor­ma­tionen geschlossen. Dabei wird einerseits von einem Nutzer_in­nen­verhalten aus­ge­gangen, das auf Zeit- oder Kostenersparnis mit posi­tiven Um­welt­neben­effekten zielt, und andererseits vernachlässigt, dass Effi­zienz­steigerungen in vielen Fällen zu Nachfragesteigerungen und damit zu Rebound-Effekten für den Umweltschutz führen (Santarius 2014).

Während die notwendigen Technologien sogenannter intelligenter Strom­netze (digitale Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugung, Speicherung, Übertragung, Versorgung) in deutschen Kleinstädten und Modell­stadtteilen bereits implementiert werden, stehen die Analysen zu Materialflüssen noch aus. Dass durch Informationstechnologien ein Demateriali­sie­rungs­versprechen eingelöst werden kann, lässt sich bisher nicht belegen. Auto­mation und verbesserte zeitliche Koordination sollen einerseits den Ressourcen­bedarf und den nicht wiederverwertbaren Abfall einer Smart City reduzieren oder gar eliminieren; andererseits haben elektronische Techno­logien selbst einen hohen Ressourcenbedarf bei ihrer Herstellung, ihrem Einsatz und ihrer Entsorgung (vgl. Gabrys 2014: 40).

Technologiebasierte Umweltschutzstrategien haben zu einer neuen Welle von Smart City-Projekten geführt, die sensorbasierte Messungen von Umweltfaktoren (z. B. Luftqualitätsmessung) vornehmen. Städte haben eine digitale Haut bekommen. Rabari und Storper bezeichnen die zunehmen­de Ausstattung von Städten und Haushalten mit Sensoren und überall ver­füg­baren mobilen Kommunikationstechnologien, die sowohl gezielte Kom­mu­ni­kation als auch automatisiert Nutzerdaten übertragen, als „digital skin of cities“ (Rabari/Storper 2015: 27).

Dieser rechnergestützte Urbanismus ist zugleich Voraussetzung und Vision einer smarten und nachhaltigen Stadt. Die Verbreitung von Studien und Kon­zept­papieren, die eine umfassende digitale Überwachung und Vernetzung als Bedingung für Nachhaltigkeit und Umweltschutz formulieren, war ein Türöffner für IT-Unternehmen in den Rathäusern und Stadtparlamenten weltweit (vgl. Ciscos Initiative „Connected Urban Development“ seit 2006). Das dabei dominierende funktionalistische Managementverständnis von staatlichen und privaten Akteuren vernachlässigt die Erkenntnis, dass der Einsatz von Luftmessstationen in Großstädten in den letzten Jahrzehnten nicht zu einem veränderten Mobilitätsverhalten der Bewohner_innen oder zur Entwicklung emissionsfreier Motoren geführt hat. Der Beitrag smarter Technologien zum Umweltschutz wird allein mit Bezug auf metrische Umweltziele (quantitativ messbare Kohlenstoffemissionen oder Material- und Energieverbrauch) diskutiert. Die individuellen Motive und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von energieintensiven Produktions- und Lebensweisen stehen nicht zur Diskussion.

Die Energieeffizienz-Richtlinie der Europäischen Union von 2012 (EU-Richtlinie 2006/32/EG) fordert von den Mitgliedsstaaten dennoch, „mindes­tens 80 Prozent der Verbraucher bis 2020 mit intelligenten Ver­­­brauchs­er­fas­sungs­systemen“ auszustatten – „falls die Einführung intelli­gen­ter Zähler positiv bewertet wird“ (EU 2012). Dieser Nachsatz wird im Zuge des derzeit an vielen Orten durchgeführten „Produkt-Rollout der Smart City-Indus­trie in Zusammenarbeit mit den Kommunen“ oftmals ver­nach­lässigt (Rauth 2015), da gleichzeitig die ‚intelligenten Technologien’ durch nationale und internationale Förderprogramme finanziell gefördert werden (vgl. Köhler 2015). Die Smart City-Strategie bietet somit einen ur­ba­nen Möglichkeitsraum für Unternehmen, die unter dem Label einer ‚Grü­nen Ökonomie‘ Produkte und Dienstleistungen anbieten, und für Städte, da sie in dieser Strategie Wachstums- und Wettbewerbsvorteile sehen (vgl. Gabrys 2014: 30). In Italien beispielsweise hat der Energiekonzern Enel bereits bei 30 Millionen Kund_innen, das sind 90 Prozent aller Haushalte, intelli­gente Zähler installiert.

Intelligente Stromzähler (smart meter) erfassen, an welchen Haus­halts­ge­räten zu welcher Tageszeit und in welchem Umfang Strom verbraucht wird. Digital vernetzte und mit Sensoren ausgestattete Beleuchtungs- und Heiz­systeme in Wohnungen können die Nutzungsgewohnheiten der Be­woh­ner_innen identifizieren, erlernen und ‚intelligent‘ Licht und Wärme bereit­stel­len. Dieses haushaltsbezogene Monitoring dringt in den Privat­raum ein und ermöglicht eine ständige Kontrolle des Stromverbrauchs durch die Ener­gie­ver­sorger. Es soll über die Praxis des Selbst-Monitorings die Ver­braucher_innen motivieren, ihren Stromkonsum zu reduzieren. Sen­soren, die der Sicherheit und dem ökologischen Umgang mit Ressourcen dienen, führen in einem ver­netzten System zur ständigen Überwachung und zur Selbstdisziplinierung. Die Wohnung wird zum digitalen Panoptikum, das seine Bewohner_innen zur Verhaltensanpassung drängt. Während in euro­päischen Städten die IT-Nach­rüstung aufgrund von Datenschutzbedenken und Anschaffungskosten lang­sam vorangeht, konnten IT-Unternehmen in einigen asiatischen Neu­bau-Modellstädten bereits umfangreiche IT-Dienst­leis­­tung­en installieren. Die gerade fertiggestellte „Fujisawa Sustainable Smart Town“ für rund 3.000 Einwohner_innen im Einzugsgebiet von Osaka wurde von Panasonic konzi­piert[2] und ermöglicht es den Bewohner_innen nicht nur ihren eigenen Ener­gie­ver­brauch zu kontrollieren, sondern auch den ihrer Nachbar_innen. Das soll das Engagement für einen reduzierten öko­lo­gischen Fußabdruck fördern. Diese Überwachungstechnologien sprechen eine Buchführungsrationalität und einen Wett­bewerbsgedanken an, der nicht mit Umweltbewusstsein gleichzusetzen ist. Außerdem lässt diese Form der Umweltüberwachung soziale Kriterien von Umweltgerechtigkeit un­berücksichtigt.

  1. 3. ‚Smart City‘: Digitalisiertes Management der Stadt

Das Managementversprechen einer Smart City bedient das Ideal eines störungsfreien, planbaren Ablaufs des städtischen Alltags (Laimer 2014: 5). Es wurzelt in der modernistischen Stadtplanung der Mitte des 20. Jahrhun­derts, den Städtebauidealen der 1970er Jahre (vgl. Townsend 2013), der unternehmerischen Stadt der 1980er, der neoliberalen Wettbewerbsmetropole seit den 1990er Jahren und der auf Kreativität getrimmten Stadt seit der Jahr­tausend­wende (vgl. Söderström/Paasche/Klauser 2014, Kitchin 2015). Während die modernistische Stadtplanung die rechnergestützte Ver­kehrs­lei­tung und Beleuchtungssteuerung einführte, greift mit der unternehmerischen Stadtpolitik die als ‚smart‘ bezeichnete Digitalisierung in alle Ebenen des urbanen Lebens ein. In den auch als ‚Wired Cities‘, ‚Cyber Cities‘, ‚Digital Cities‘ oder ‚Intelligent Cities‘ bezeichneten Räumen reicht diese Digitalisierung von der Messung von Körperfunktionen über die permanente Zugriffsoption auf Haushaltsgeräte bis hin zur Verkehrsmittelwahl oder zum Management städtischer Infrastrukturen. Digitalisierung steht nicht nur für eine Vernetzung von Dingen und Menschen, sondern auch für die Vernetzung digitaler Technologien über Maßstabsebenen hinweg. Dieses skalenübergreifende Digitalisierungsideal hat zwei parallele Treiber: Stadtregierungen wettbewerbsorientierter Wachstumsmetropolen und internationale IT-Unternehmen (vgl. Hollands 2015).

Vertreter_innen einer wettbewerbsorientierten Stadtpolitik haben in den letzten Jahrzehnten verschiedene Etiketten für ihre Visionen einer unternehmerischen Stadt genutzt: ‚Nachhaltige Stadt‘, ‚Kreative Stadt‘, ‚Grüne Stadt‘ und nun die Smart City (vgl. „Grüne Gouvernementalität“, Rutherford 2007). Eine unternehmerisch ausgerichtete Stadtpolitik bietet IT-Unternehmen ein neues Geschäftsfeld für programmatische Visionen einer sicheren, gesunden, sauberen, effizienten Stadt. Die führenden IT-Unternehmen beraten Stadtregierungen und stellen gleichzeitig die not­wendige Infrastruktur und Dienstleistungen zur Umsetzung dieser Gestal­tungs- und Steuerungsvisionen bereit; sie investieren aktuell viel in die Visu­ali­sie­rung von Smart Cities und deren Be­wohner_innen, produzieren Imagefilme (vgl. IBM: „The People for Smarter Cities Mission“), veranstalten Workshops für Kreative und Ideenbörsen (vgl. „MLove Smart City Festivals“ in diversen Großstädten, gesponsert von Cisco) und bauen Ausstellungshallen für digitalisierte Stadtvisionen (vgl. Siemens, „The Cristal. A Sustainable Cities Initiative“ in den Londoner Docklands). Der Stadtforscher Dan Hill bezeichnet IT-Unternehmen, die die Smart City-Debatte gezielt vorantreiben, insgesamt als einen „Urban Intelli­gence Industrial Complex“ (Hill 2013).

Für unternehmerisch ausgerichtete Stadtregierungen haben IT-Unter­nehmen das verlockende Angebot geschaffen, Planungs- und Steue­rungs­dienstleistungen zu übernehmen. Diese Konstellation von staatlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren hat zur Folge, dass Smart City-Strategien sich bereits heute in vielen Metropolen ohne substanzielle Debatten unter Einbeziehung der Stadtbevölkerung oder der Stadtforschung etabliert haben. Internationaler Vorreiter ist Rio de Janeiro mit umfangreichen Public-Private-Partnership-Verträgen zwischen der Stadtregierung und IBM; in Deutschland hat unter anderem Hamburg Vereinbarungen zur Ver­kehrs­ent­wicklung mit Cisco beschlossen (FHH 2014). Bisher kon­zen­trieren sich Smart City-Strategien auf Metropolen. Hier sind die Inno­vations­bereitschaft und die Modernisierungskultur am stärksten ausgeprägt, die städtischen Eliten am internationalen Städtewettbewerb ausgerichtet und für IT-Unternehmen der Absatzmarkt aufgrund der Kapitalkonzentration am größten (Caragliu/Del Bo/Nijkamp 2009).


Abb. 1 Vision von digital vernetzten öffentlichen und privaten Infrastrukturen des IT-Konzerns Cicso.

Internationale IT-Konzerne betrachten eine Stadt als „complex network of in­ter­con­nec­ted systems”, das laufend Daten liefert, die städtisches Leben mes­sen, kon­trol­lie­ren und managen lassen (IBM 2012). Diese Dienst­­leis­­tung­en werden für einzelne Versorgungsbereiche angeboten: Smart Mobility und Smart Transport (optimierte Verkehrsmittelnutzung und lenkung), Smart People (internet- und app-basierte Lern- und Ver­­net­­zungs­­­platt­­­for­men), Smart Eco­no­my (Input- und Output-Optimierung im Produktionsprozess), Smart Gover­nance (internetbasierte Infor­mations- und Beteiligungsverfahren), Smart Environment (effizienter Res­sour­cen­­­einsatz durch digitalisiertes Monitoring) und Smart Living (digi­tale Sicher­heits­technologien und Woh­nungs­nut­zung­en) (vgl. Albino/Berardi/Dangelico 2015: 9). Dieses Ange­bot soll nicht nur gut für die Stadt und ihre Bewoh­ner_innen sein, sondern gleich­zeitig den weltweiten Res­sou­rcen­ver­brauch von Städten reduzieren (s. o.). So wirbt Cisco damit, dass sein IT-Angebot des „connected urban development“ (der Ver­kehrs­fluss­optimierung) auch einen Beitrag zum globalen Klimaschutz leistet (Cisco 2015).

Stadtregierungen gewähren IT-Unternehmen in vielen Fällen einen enor­men Vertrauensvorschuss (vgl. Allwinkle/Cruickshank 2011, Hollands 2015). Inner­halb der Logik neoliberaler Stadtpolitik stehen Smart Cities im per­ma­nenten Wettbewerb miteinander. Quantitative Eva­lua­tion­en von Smart Cities messen die Infrastrukturausstattung der Hard­ware (Breitbandkabel), Software (Datenaustausch), Kreativwirtschaft (Inter­net­dienstleister) und Nutzungshäufigkeit (etwa der Klicks beim E-Office der Stadtverwaltung). Über die qualitative ‚Smartness der Stadt‘ und ihrer Bewohner_innen sagt das noch nichts aus, denn die intelligenteste Stadt kann ineffizient genutzt werden. Smart City Rankings und die Auszeichnung von Vorreiterstädten führten jedoch dazu, dass immer mehr Stadtregierungen versuchen, die global standardisierten Kriterien einer Smart City zu erfüllen (Smart City Ranking für Deutschland, vgl. PwC/Uni Bonn 2015, Smart City Ranking für Europa, vgl. Vienna TU 2007).

Auf welche Weise in Smart Cities die jeweilige technologisch motivierte Machbarkeitsvision, die ökonomisch motivierte Wertschöpfungsvision, die regulatorisch motivierte Governance-Vision und die ökologisch motivierte Nachhaltigkeitsvision tatsächlich realisiert werden, ist noch weitgehend unklar (Libbe 2014). Detaillierte oder vergleichende Fallstudien zu Smart City-Initiativen, die historische und kulturelle Spezifika berücksichtigen, fehlen (Kitchin 2015). Städte sind durch heterogene Strukturen gekennzeichnet – und dennoch überzeugt das Versprechen einer Smart City als universelle Strategie für alle aktuellen und zukünftigen Aufgaben von Städten auf kommunalpolitischer und nationaler Ebene weltweit.

Ein weiterer wichtiger Akteur der Smart City-Debatte ist die Stadt­for­sch­ung selbst. Die etablierte Smart City-Forschung und die staatliche For­schungs­för­de­rung verfolgen primär einen technologie- und steuerungs­optimis­tisch­en Ansatz. Innerhalb weniger Jahre wurden zahlreiche Studien zur Um­set­zung digi­taler Infrastrukturen in Städten vorgelegt;[3] und es wurden an vielen Hoch­schulen Forschungs- und Masterprogramme mit dem Schwer­punkt Smart City aufgelegt.[4] Smart City-Forschung zielt auf Effizienzpotentiale eines digitalisierten Infrastrukturmanagements. Diese Forschung wird bisher fast ausschließlich von IT-Unternehmen, Unternehmensberatungen und der For­schungs­förderung der EU finanziert.[5] Auf nationaler Ebene wird die Smart City-Forschung primär im Kontext der Energiewende mit Koope­rations­projekten von Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen gefördert (vgl. in Deutschland das BMBF-Programm „Zukunftsstadt“, in Österreich das BMBF-Programm „Stadt der Zukunft“). Die resultierenden Studien sind überwiegend affirmativ und vernachlässigen soziale Effekte einer digi­ta­li­sier­ten urbanen Praxis. In diesen Studien fehlt auch eine kritische Ana­lyse der Privatisierung städtischer Infrastruktur und Dienstleistungen, der Mono­polstellung von IT-Unternehmen in Städten und deren wachsender Daten­kontrolle, die mit der Umgestaltung von Städten zur Smart City verbunden ist. Kritik an dieser Affirmation findet sich primär in Beiträgen der aktivistischen Stadtforschung, die vor der Entdemokratisierung städtischer Steuerung durch den Datenzugriff und die Datenkontrolle von IT-Konzernen sowie den damit verbundenen Gefahren der Überwachung und des Eingriffs in Privatsphären warnen.[6] Umfangreiche empirische Arbeiten zu diesen Fragen werden jedoch auch von den Kritiker_innen bisher nicht geleistet (bzw. finanziert).

  1. 4. ‚Smart Self‘: Anwender_innen digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien

Die Programmierung von smarten Technologien impliziert spezifische Vor­stel­lung­en von Normalität sowie von erstrebenswerten Zuständen (vgl. Greenfield 2013). Der optimale Betrieb technischer Systeme setzt folglich normgerechte und störungsfreie Abläufe und kooperative Bürger_innen voraus, die sich an die einprogrammierten urbanen Abläufe halten und bereitwillig beziehungsweise ‚ahnungslos‘ ihre Daten liefern. Wenn eine Stadt durch den Einsatz von IT smart wird, dann werden dementsprechend digitale Technologien zum integralen Teil der sozioökonomischen und kulturellen Entwicklungen; auch der Alltag wird digitalisiert und mit veränderten kulturellen Praktiken verbunden. Die Frage ist somit einerseits, in welchen Bereichen und mit welchen Zielen digitale Technologien das Leben von Stadtbewohner_innen kontrollieren und stimulieren, zum Beispiel ob sie sie überwachen und jeden Schritt erfassen. Andererseits umfassen digitale Technologien auch Potentiale der Selbst-Ermächtigung, etwa solche der Selbst-Steuerung – aber auch kollaborativer, vernetzter Praktiken etwa des ‚Stadt-selber-machens‘.

Bislang werden Menschen in der Smart City-Debatte allerdings meist als entweder passiv-reaktive oder als widerständige Wesen betrachtet. Eine hohe Akzeptanz von Smart City-Technologien wird mit Digitalisierungsaffinität gleichgesetzt und in der Regel bestimmten sozialen Gruppen, Einkommens- und Altersklassen zugeordnet: Vertreter_innen der Smart City sprechen Menschen jungen und mittleren Alters mit mittlerem bis hohem Bil­dungs­stand und Einkommen an. Der Zugang und die Nutzung von IT ist zwar entscheidend gestiegen, bleibt aber sozioökonomisch ungleich verteilt. Das Werkzeug dafür liefert vor allem das Smartphone als Interface, mit dem man sich überall und zu jeder Zeit informieren, verorten und vernetzen kann. Die Smart City der Zukunft basiert daher auch ausschlaggebend auf dem Smartphone und dem Highspeed Internet (mobil oder via WLAN-Hotspots) in der ganzen Stadt.

Kitchin hat die Frage „what makes a city ‘smart’?“ (2014: 1) einerseits mit Blick auf Infrastrukturen beantwortet, genauer: auf die materielle wie auch symbolische Ausstattung der städtischen Umwelt mit digitalen Infrastrukturen, die eine Stadt, auch unterstützt durch die mobilen End­geräte der Bewohner_innen, kontrollier- und steuerbar, effizient und nachhaltig machen. Andererseits lässt sich eine Antwort auch durch das Konzept des Wandels zur Wissensökonomie geben, insofern lässt sich darunter auch der Wandel zur Wissensökonomie verstehen, sodass eine City durch innovative und kreative Wirtschafts- und Governancestrukturen gekennzeichnet ist, die durch ‚smart people‘ vorangetrieben werden. Kontrollier- und Steuerbarkeit bezieht sich neben den Infrastrukturen auch auf die Menschen in der Stadt, die allerdings bislang in der Forschung eher selten auftauchen – und wenn, dann vor allem in ihrer Funktion als ‚Datenlieferanten‘. Wir richten daher nachfolgend den Blick auf Menschen als ‚aktive Subjekte‘ im digitalisierten Zeitalter und unterscheiden dafür zwei ‚Subjektpositionen‘:

  1. 1. Die in der Literatur dominante Perspektive, in der Menschen mithilfe digitaler Technologien passiver Bestandteil einer Smart City sind, zum Beispiel indem sie über die Nutzung von Smartcards (Karten mit eingebautem Mikroprozessor oder Speicher, der aufgeladen und ausgelesen werden kann) und Smartphones ‚Daten-Spuren‘ hinterlassen.
  2. 2. Die von den Nutzer_innen ausgehende Perspektive, das heißt von den­jenigen, die digitale Technologien aktiv nutzen und sich als aktive Elemente einer Stadt verstehen; diese nennen wir ‚Smart People‘ und differenzieren sie in ‚Smart Self‘ und ‚Smart Produser‘ (als Kom­bi­na­tion aus producer und user): Insbesondere die Letzteren, die im Web 2.0 gleichzeitig die Rolle der Konsumierenden/Gebrauch­en­den sowie der Partizipierenden beziehungsweise Produzierenden übernommen haben und damit auch die Produktion von ‚Wirklichkeit‘ durch Gebrauch, sind für uns die Menschen, die sich als aktiver Teil einer Stadt begreifen und digitale Medien selbstermächtigend einsetzen, was eine kritischen Beteiligung an der Stadtgestaltung einschließt.

In der Smart City stellen mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones die Schnittstelle zwischen Mensch und Stadt dar, die der Optimierung der Stadt (ver­netzten urbanen Infrastrukturen), aber auch der Kontrolle und Optimierung des Selbst dienen.[7] Jenseits der gezielten Benutzung von Smartphones wird es den Nutzer_innen auch ermöglicht, die eigenständige Auseinandersetzung mit der Umwelt abzugeben, das heißt sie ‚in­ter­agieren‘ dann digital mithilfe von Apps und über das Internet mit der Stadt und gebrauchen und liefern dabei Daten, die die vernetzte Stadt und ihre Infra­struk­turen ‚optimieren‘. Die Optimierung des Selbst wiede­rum geschieht eben­falls digital: mithilfe von Smartphone-Apps, Smart Watches oder Fit­ness­arm­bändern, die eine ununterbrochene Selbstkon­trol­le (‚Self-Tracking‘) ermög­lichen, beispielsweise des Schlafrhythmus, des Kalo­­rien-, Alkohol- und Kaffee­konsums sowie des Bewegungsumfangs (so­wohl räumlich wie zeitlich). Eine besondere Form ist hier die sogenannte Lifelogging- oder Quantified-Self-Bewegung (QS), deren Subjekte freiwillig und gezielt Datenmengen über sich generieren und (mit)teilen, die wiederum durch die Algorithmen von IT-Portalen und von Smart City-Infrastrukturen weiterverarbeitet werden können (vgl. Duttweiler et al. 2016, Pasquale 2015, Selke 2014)[8]. Intelligente Algorithmen können Muster erkennen (‚machine learning‘), bei­spiels­weise in Geokoordinaten sowie Zeitpunkt und Dauer einer Tätigkeit, und können darauf aufbauend sich selbst ‚korrigieren‘ sowie dem quantified self Optimierungsvorschläge unterbreiten. Das heißt, in der anhaltenden Interaktion von Daten, Algorithmen und (menschlichen) Praktiken entstehen komplexe Programme zur Effizienzsteigerung des Selbst und auch des Lebens in der Stadt. Die QS-Bewegung ist also eine Form der Selbst­regierung und Selbsttechnologisierung (im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch im Foucaultschen Sinne der Selbsttechnologisierung) – ein Beispiel für eine Mensch-Technik-Assemblage, in der aus Geographie ‚Egographie‘ wird (Boeckler 2014: 7). In allen Fällen wird Big Data[9] produziert und ein ‚Regieren über Distanz‘ ermöglicht. Doch dieses Regieren ist niemals wert­neu­tral, sondern basiert auf gleichermaßen normierten wie normativen Algo­rith­men, Klassifizierungen und Kategorisierungen.

Während die ‚Smart-Self‘-Perspektive auf der Mikroebene der Big-Data-Pro­duk­tion ansetzt, ist die Smart City auf der Meso- und Makroebene zu verorten (s. o.). Ihr Zusammenwirken führt zur Smart City als Macht-Wissen-Komplex: In gouvernementalitätstheoretischer Tradition entstehen dadurch neue Macht­geo­me­trien, die die Stadt organisieren und sozioökonomische Ord­nung­en entlang technologischer Parameter implementieren. Damit basiert der Smart City-Diskurs auf „smartmentality“ (Vanolo 2014), auf technologischen Rationalitäten. Er legitimiert neoliberale politische Mechanismen und bringt Subjektpositionen (wie das QS) hervor. Und schließlich reduziert die­ser Smart City-Diskurs städtisches Regieren auf technologische Machbarkeiten.

Francisco Klauser und Anders Albrechtslund (2014) kontextualisieren dies eben­falls mithilfe von Foucault – und zwar im Hinblick auf die Relationalität von Machtbeziehungen. Darüber hinaus betonen sie im Anschluss an Latour die Relationalität von menschlichen und nicht-menschlichen interagierenden Einheiten, zum Beispiel im Self-Tracking. Diese Selbstüberwachung stellt eine besondere Form der self-governance dar und dient zugleich, gerade auch in Kombination mit GPS-gestützten Apps wie etwa „Runtastic“ oder „myfitnesspal“, der räumlichen und zeitlichen Überwachung aller kör­per­lichen Akti­vi­täten durch die User, wie auch durch vernetzte Self-Tracker. Kritisch ist in diesem Zusammenhang zu sehen, dass (1) durch GPS-Tracking, Kun­den­kar­ten, Smart­cards etc. die Stadt auf die Stadt der Konsumierenden – und der Mensch auf die Funktion als datenliefernder Konsument – reduziert wird, dass (2) die Kon­su­mierenden ‚ungewollt‘ überwacht werden und (3) die User selber an der Ent­wicklung der Smart City nur als End-User (nicht als Produser) beteiligt sind.

Mit unserem Fokus auf die digitale Vernetzung im Sinne sozialer und ku­lturel­ler Praxis verschiebt sich nun der Fokus auf die Wechselwirkungen zwischen Technologie und Gesellschaft, einschließlich der potentiellen ‚Macht‘ der Produser (Coutard/Guy 2007): Dazu gehört unseres Erachtens auch eine Art ‚doing smart‘: Damit verweisen wir auf ein performatives Ver­ständ­nis von ‚kritischem Tun‘ im Anschluss an Foucault und Butler, dessen Ur­sprung weder im intentionalen oder souveränen Vernunftsubjekt noch im de­ter­mi­nier­ten Diskurssubjekt liegt. Vielmehr basiert es auf einem Subjekt, das den „Status eines unfügsamen, kritisch handelnden Wahrnehmungsobjektes“ erlangt hat (Butler 2001: 158) und dessen performatives Tun (doing) die Mög­lich­keit zur Subversion und zur politischen Intervention beinhaltet (vgl. Butler 2001; 2015).[10]

Dieses ‚doing smart‘ findet sich beispielsweise im Konzept ‚community ownership‘, in dem Bürger_innen sich mithilfe digitaler Medien aktiv in der Stadt­ge­stal­tung engagieren: „to look at how cities are made and remade with the help of digital media“ (De Lange/De Waal 2013: 4, Herv. i. O.). Voraussetzung dafür ist, dass sich die Stadtbewohner_innen als Teil und als aktive (Prod-)User der Stadt wahrnehmen – nicht nur als passive (und überwachte) Nutzer_innen. Für das (zeitliche und räumliche) Durchbrechen dieser passiven Rolle in Form partieller situationistischer Subversionen schlagen De Lange und De Waal (2013) das Konzept „citizen ownership“ vor, in dem Bürger_innen mit­hilfe digitaler Medien sich verantwortungsvoll („stewardship“) in der Stadt­ge­staltung engagieren. Das Konzept des citizen ownership versucht die Top-down-Institutionenpolitik wie auch den Bottom-up-Be­tei­li­gungs­ansatz zu überwinden, indem Peer-to-Peer-Netzwerke etabliert werden.

Die aktuellen Formen der ‚Smartifizierung‘ städtischer Organisation können durch Praktiken der Partizipation, des Teilens und der Kooperation her­ausgefordert werden. Soziale Medien schaffen neue Dynamiken der Kom­munikation und der Selbstorganisation innerhalb von Städten. Das heißt, insbesondere mithilfe von Smartphones ermöglichen digitale soziale Medien die schnelle Vernetzung und effektive – sowie teilweise affektive – Organisation engagierter (‚aktiver‘) Bürger_innen. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind unter anderem die digitalen Netzwerke der Occupy-Bewegung und des Arabischen Frühlings zur Erreichung konkreter politischer Ziele, die auf digital kommunizierter Vernetzung basierenden Stadtraumaneignungsbewegungen wie PARK(ing) Day oder Critical Mass (Gebhardt/Klemme/Wiegandt 2014, Strüver 2015, allgemein vgl. Butler 2015) oder auch unlängst die stadtpolitische NOlympia-Bewegung in Hamburg 2015. Diese Protestbewegungen machen alle deutlich, dass der jeweilige Erfolg auf der Kombination traditioneller Face-to-face-Koordination und digitaler Kommunikation beziehungsweise Aktivierung basiert(e).

Die Mehrzahl der neuen sozialen Bewegungen arbeitet mit und über Ver­net­­zungen durch Social Media. Dazu gehören etwa die neuen Ökono­mien des Teilens (collaborative consumption[11]). Doch auch Flashmobs basieren auf virtuellen beziehungsweise digital organisierten Gemeinschaften, die dann gleichwohl einen ‚realen‘ spontanen Menschenauflauf initiieren. Und schließ­lich gehören dazu auch die vielfältigen Möglichkeiten der kollaborativen karto­gra­phisch­en Datenerfassung und -verarbeitung, wie sie beispiels­wei­­se in kollektiv produzierten Onlinekarten oder auch im Sinne des counter­map­pings praktiziert werden (u. a. mithilfe von PPGIS, Public Partici­pation Geo­­­graphic Information Systems als machtkritische Alternative, vgl. Dalton/Mason-Deese 2012)[12]. Diese Karten stellen ein Patchwork aus unzähligen, frei­willig beigesteuerten Nutzer_inner-Informationen dar (VGI, volun­teered geo­graphic information; vgl. Elwood/Goodchild/Sui 2012). Die Anwendung von IT in Bewegungszusammenhängen ist daher bislang vor allem Medium, also vermittelndes Element der Vernetzung und dadurch Grundlage für (Selbst-)Ermächtigung. Zu­gleich beinhaltet dieses Medium, wie auch die IT von Konzernen, Städten oder Staaten, hegemoniale Strukturen, die gleichberechtigte Partizipation er­schweren (können).

  1. 5. Ausblick

Ausgehend von der Frage, in welchem Verhältnis vernetzte digitale Tech­no­logien, Stadtpolitik (big data business) und urbane kulturelle Praxis (digital citizens) zueinander stehen, haben wir dargestellt, dass weite Teile der Smart City-Forschung sich bisher auf die potentiellen, quantitativen Effekte tech­nologischer Innovationen konzentrieren und haben den Mehrwert digital opti­mierter städtischer Infrastrukturen und Dienstleistungen für ausgewählte Städte kritisch beleuchtet. Die funktional ausgerichtete Stadtforschung vernachlässigt Fragen nach sozialer Interaktion und Partizipation, kulturellen Dynamiken sowie gerechtem Zugang zu städtischen und digitalen Infra­strukturen. Technologische Innovationen bieten zwar ermöglichende Struk­turen, sind aber keine zwangsläufigen Treiber für Nutzungsänderungen. Außer­dem sind diese Technologien Ausdruck spezifischer Vorstellungen von Stadtzukunft und zukünftigen Stadtbewohner_innen. Das heißt: Smart City-Technologien und digitalisierte Visionen finden Stadt, sie erschaffen aber nicht automatisch eine neue Form der Urbanität. Diese Feststellung kann entgegen der dystopischen Lesart eines Überwachungsstaates auch als Kraft urbaner Diversität und als Ausdruck von Widerständigkeit der Nutzer_innen smarter Technologien betrachtet werden: Mit der digitalen Vernetzung ist kein „kybernetischer Totalitarismus“ (Lanier 2012) eingetreten. Städte bleiben weiterhin Orte spontaner, ungeplanter Interaktionen. Dennoch ver­ändern Smart City-Visionen die Stadtpolitik, indem sie Stadtentwicklung mit Effizienz-, Kontroll-, Optimierungs- und Wettbewerbsidealen verbinden.

Das Narrativ der Smart City lautet: Digital vernetzte Kontrolle und Steue­rung schafft Effizienz- und Optimierungsvorteile. Auch wenn dieser single story immer noch multiple stories von Produsern gegenüberstehen, dominiert bei Stadtregierungen und IT-Unternehmen das Prinzip ‚one strategy fits all‘. Den vielfältigen Aneignungsformen digitaler Technologien und Kom­mu­ni­kations­formen in der urbanen Praxis ist die Stadtforschung bisher erst ansatzweise nachgegangen. Wenn die Smart City-Forschung von Unter­nehmensberatungen betrieben wird, kommen widerständige urbane Praktiken nicht vor. Die Stadtzukunftsgeschichte der Smart City weist Blindstellen sozialer und kultureller Differenz auf und verliert die multiplen Erzählungen, die Urbanität ausmachen, aus dem Blick. Eine kritische Stadt­for­schung sollte dieses Universalisierungsprinzip dekonstruieren:

„Cities undoubtedly share similar forms and systems, but they also have diverse histories, cultures and political economies and variegated forms of capitalism that shape patterns of urban and economic development and the relationship between state, market and society. And there are marked differences between retrofitting existing cities and building brand new cities on green field sites.“ (Kitchin 2015: 133)

Zudem liegt in der Produktion und Verarbeitung von Big Data dann ein Problem, wenn diese Daten als objektiv und wertneutral – und unter dieser Voraussetzung als wahre Aussagen über soziale und ökonomische Wirk­lich­kei­ten sowie als empirische Beweise für politische Maßnahmen – behandelt werden. Mit ihnen wird gleichermaßen kategorisiert wie kartographiert – und beides bedarf sowohl einer Hinterfragung der zugrundeliegenden Algo­rithmen und Klassifizierungen wie auch einer Art Komplementärproduktion von ‚small data‘, von qualitativ erhobenem empirischen Material, das auch lokale (Einzel-)Phänomene und Probleme analysiert (durch Interviews, Be­ob­ach­tung­en, Kartierungsspaziergänge etc.). Ansonsten droht ein Rückfall in einen naiven raumwissenschaftlichen Positivismus, wenn anhand zufälliger Daten­korrelationen sozialräumliche Kausalitäten abgeleitet werden (z. B. über Umwelt- oder Gesundheitsbewusstsein).

Im Zeitalter des ‚Internet der Dinge‘, von ‚Umgebungsintelligenz‘ und „empfindenden Städten“ (Crang/Graham 2007) – durch welche die physische Umgebung aufgrund vernetzter Datenströme auf individualisierte, durch Algo­rithmen errechnete Präferenzen reagiert –, wird die Smart City auch eine ‚per­so­nalisierte Stadt‘. Das heißt, im Smart City-Diskurs geht es erstens um die Opti­mie­rung der Stadt (z. B. durch Emissions- und Ener­gieverbrauchsreduktion, verbesserte Stoff- und Verkehrsströme etc.), zweitens um die Optimierung des Selbst (mittels Self-Tracking) und drittens um das Selbst in der Stadt – und als Teil der smarten Stadt, als Selbst-Ermächtigungsstrategie von Produsern. Unser Ziel in diesem Beitrag war es, die Wirk(lichkeits)mächtigkeit normativer Diskurse zusammenzufassen, die durch die digitale Vernetzung gerahmt sind, wie beispielsweise ‚digitale Revolution‘ im Allgemeinen und die Anrufung beziehungsweise den Imperativ des ‚be smart‘ im Besonderen. Diese Diskurse müssen aber auch als soziale und kulturelle urbane Praxis unter Einbeziehung der Wider­stands- und Ermächtigungsstrategien von smarten Produsern ver­stan­den werden. Denn Gestalter_innen einer digitalen Stadt sind nicht nur die Protagonist_innen der Smart City, sondern auch die Bewohner_innen, die die Stadtgestaltung selbst (bspw. über Smartphones) ‚in die Hand‘ nehmen. Wir schlagen daher für eine kritische Smart City-Forschung die verschränkte Betrachtung der Dimensionen des Subjekts und der Stadt als Teil dieser Dis­kur­se vor. Digitalisierung bringt nicht nur veränderte Konnek­ti­vi­täten der Kom­munikation von Dingen hervor, sondern auch veränderte Kon­nek­ti­vitäten zwischen Subjekt-, Diskurs- und Strukturebene.

Francisco Klauser und Anders Albrechtslund (2014) haben beispielsweise die Dynamiken digitaler (Überwachungs-)Techniken in smarten urbanen Infra­struk­turen in Kombination mit der Quantified-Self-Perspektive analysiert. Das heißt sie verbinden Selbstoptimierung (Mikroebene) über smarte Techno­lo­gien mit Stadtoptimierung (vernetzten urbanen Infrastrukturen, Makro­ebene). Wie oben bereits angedeutet, wird in beiden Fällen ein ‚Regieren über Distanz‘ praktiziert, das auf normierten wie normierenden Kate­go­rien, Klassifizierungen und Algorithmen basiert. Vor dem Hinter­grund des Smart City-Diskurses lässt sich dann in die Ebenen der Praktiken und des Nor­ma­tiven differenzieren: Die Frage nach der Verortung konkreter Praktiken stellt sich in der Kommunikation von Selbst und Big Data in zweierlei Hinsicht: Auf der Mikroebene produziert das Selbst aktiv und ‚wissend‘ Daten, auf der Meso- und Makroebene hingegen werden die Menschen durch die gesammelten Daten kategorisiert und ‚regiert‘. Das heißt, es sind nicht mehr nur menschliche Sub­jekte, die handeln, sondern räumliche Artefakte und vor allem digitale Geräte, Apps und Algorithmen. Normativität wirkt zudem auf der Mikroebene als Norm der smarten Selbstregulierung des verkörperten Subjekts, auf der Meso- und Makroebene als Norm der smarten Infrastrukturregulierung sowie der neoliberalen Stadtregierung (downscaling von Verantwortung durch Deregulierung und Privatisierung). In allen Fällen geht es nicht um klassische (Fremd-)Disziplinierung, sondern um Selbst- und Stadtoptimierung.

Sowohl in den Anwendungen von digitalen Technologien des Smart Self als auch in denen der Smart City scheint allerdings das Sammeln und Auswerten von Daten aktive gesellschaftliche Aushandlungen er­set­zen zu sollen: „Die vermeintlich objektiven Daten machen Dis­kus­sion­en obso­let. Dabei setzen die Entwickler von Smart Cities auf un­schlagbare Argu­­men­te: Wer kann schon etwas gegen ökologische, nachhaltige Städte mit innovativen Mobilitätskonzepten und zukunftsweisender Kom­mu­ni­kations­­technologie haben?“ (Laimer 2014: 6; Hervorh. i. O.). Smartness ist nicht nur über Technologien, sondern auch über politische und soziale Ge­mein­schafts­strategien on the ground zu definieren. Diese können wiederum über digitale Technologien vernetzt und verbreitet werden, sollten aber keines­falls auf diese reduziert werden. Denn trotz der zahlreichen Initiativen des Stadt-selber-Machens gibt es bislang kaum wirksame Anstöße, welche die Möglichkeiten neuer Technologien für eine Veränderung der Top-down-Politik nutzen (abgesehen von Informationskampagnen via Social Media). Die Machtverteilung bleibt unangetastet. Obwohl junge Kreative stets in den Werbeauftritten der Smart City-Dienstleister zu sehen sind, bleibt es bei Top-down-Implementierung und Zentralismus, und Bürger_innen bleiben passiv und konsumierend (vgl. ebd.).

Die positiven Hoffnungen einer Stadtplanung der Moderne, durch den Städtebau zu einer gerechten Gesellschaftsordnung beizutragen, sind schon einmal gescheitert. Mit der Smart City wird diese Hoffnung wiederholt for­mu­liert: Lebenswerter für alle Bewohner_innen soll die Smart City sein und noch dazu effizienter mit knappen globalen Ressourcen umgehen. Doch auch in einer digitalen Welt werden ohne Transformationsprozesse reale öko­no­mische und soziale Verhältnisse und die von ihnen produzierten und räumlich manifestierten Ungleichheiten und Hierarchien überleben. Soziale Ungleichheiten in der alten ‚Offline-Stadt‘ werden mit der Smart City nicht aufgehoben, sondern umgewandelt in „urban digital divides“ (Graham 2002: 33) und als solche eher noch verstärkt. Reichere Städte und Be­wohner_innen werden mehr von den Vorteilen kostspieliger digitaler Techno­lo­gien profitieren als ärmere. Aus diesem Grund mahnen insbesondere bri­tische Geograph_innen eine Hinwendung zu sozialen Prozessen und kultu­rel­ler urbaner Praxis im digitalen Zeitalter an. Stephen Graham hatte schon 2002 dazu angeregt, die soziale Dimension der Digitalisierung von Städten in den Blick zu nehmen, da er davon ausging, dass diese Entwicklung zu neuen Extremen sozialer und geographischer Ungleichheiten innerhalb und zwischen Städten führen wird. Diese Aufmerksamkeit für soziale Dimensionen digitaler Techno­logien in Städten gilt es unseres Erachtens zu vertiefen und dabei neben einer potentiell drohenden Ungleichheits- und Kontrollgesellschaft auch ermäch­tigende Nutzungsformen in den Blick zu nehmen, die urbane Praxis jenseits von Stadt- und Selbstoptimierung ermöglichen.

Als problematisch erachten wir somit zum einen die Tendenz, dass in der Smart City das städtische Leben auf eine vermeintlich selbstregulative, effi­ziente, da digitale, Technologie begrenzt wird, die weder von den Stadt­be­woh­ner_innen abhängig ist, noch sich überhaupt an diese richtet. Sie wer­den in diesem Zusammenhang vielmehr reduziert auf ihre Funktionen als Daten­lieferanten und als Konsumierende. Zum anderen – und dies wird auch als Desiderat in der Smart City-Forschung sehr deutlich – steht die Aus­­ein­andersetzung von Bewohner_innen mit der Smart City und ihren unter­schiedlichen Aneignungsformen, das heißt, wie sie digitalisierte Stadt erleben (können), noch am Anfang (vgl. Halpern et al. 2013). Dazu gehört auch die Frage, wer eigentlich wen als Bürger_innen der Smart Cities definiert, wer die Bürger_innen wie in Datenbanken kategorisiert und ihre voraussichtlichen Handlungen klassifiziert beziehungsweise normiert, denn „the TestBed [die Planstadt Songdo] is about populations and territories, not individuals in space“ (ebd., S. 295). Darüber hinaus gehört zum Leben in der Stadt auch das Erleben und Erfahren des urbanen (Möglichkeits-)Raumes jenseits von E-Governance und digitalem Lifestyle, im Sinne von engagierten ‚urban produsern‘ (erste Hin­weise hierzu, wie auch zur Leerstelle zwischen affirmativer und aktivistischer Smart City-Forschung, finden sich bei Hill 2013 sowie Mattern 2014).

Eine sozial- und kulturwissenschaftliche Stadtforschung, deren Anspruch es ist, soziokulturelle Fragmentierungen und Diversität zu analysieren, kann aus unserer Sicht Hinweise liefern, wie digital vernetzte Kommunikation und Infrastruktur die Formen urbaner Gemeinschaft verändern, welche Gegen­be­wegungen der Interaktion jenseits von IT stattfinden, inwiefern autonome IT und die Installation freier Netze zu subkulturellen Strukturen führen oder in welcher Weise sich Governance-Formationen mit der Einbindung von IT-Unternehmen in Stadtplanungsprozesse verschieben. Zudem können stärker kulturwissenschaftlich orientierte Beiträge zur Stadtforschung Fra­gen der Subjektivierungsprozesse im Kontext von IT bearbeiten sowie Erkennt­nisse bringen zur Verschiebung der Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit (durch die Zugriffsmöglichkeit auf den Wohnraum von jedem beliebigen Ort), zum veränderten Umgang mit raumbezogenen Daten (die das Alltagsleben kontrollieren und stimulieren) oder zu Formen des kollaborativen Partizipierens in stadtpolitischen Debatten.

Endnoten

  1. [1] Diese Stadt(teil)neugründungen lassen wir dennoch in diesem Artikel unberücksichtigt, da uns die geplanten und ungeplanten Implikationen des Smart City-Paradigmas in exis­tie­ren­den Städten interessiert. Die sogenannten ‚New Towns‘ repräsentieren hingegen ein zentralistisch-totalitäres und sozial exklusives Modell städtischen Lebens, das komplett von IT-Unternehmen gestaltet und kontrolliert wird (vgl. Shelton/Zook/Wiig 2015).
  2. [2] An der Finanzierung und Realisierung des Projekts beteiligt waren neben Fujisawa City und Panasonic elf Unternehmen der Versicherungs-, Bau-, Telekommunikations-, Finanz- und Energiebranche, vgl. Panasonic (o. J.).
  3. [3] Vgl. die Studie „Städte werden digital“ in Kooperation von PwC und dem Geographischem Institut der Universität Bonn (2015).
  4. [4] Vgl. das Masterprogramm „Smart Cities and Urban Analytics“ am University College London seit 2014.
  5. [5] Vgl. die EU-Förderinitiative „Smart Cities and Communities“ von 2012; vgl. die 2015 von der EU Horizon 2020-Forschungsförderung ausgezeichneten „Smart City Leuchtturmprojekte“; vgl. das Forschungsprojekt „The Programmable City“ des European Research Council 2013–2018.
  6. [6] Vgl. für den deutschsprachigen Kontext das Themenheft der Zeitschrift für Stadtforschung, Dérive 56/2014, „Smart Cities – Zurück in die Zukunft“.
  7. [7] Von daher ist nicht zu vernachlässigen, dass es eine aktive, bewusste Entscheidung sein kann, (k)ein Smartphone zu haben – den Widerstand gegen die Digitalisierung des Alltags lassen wir aber in diesem Kontext unberücksichtigt.
  8. [8] Neben den explizit stadtbezogenen Aspekten und Forschungen bestehen natürlich mittlerweile in fast allen Disziplinen Diskussionen zum Quantified Self sowie zur sogenannten Umgebungsintelligenz; für konstruktive medienwissenschaftliche Debatten siehe bspw. Swan 2012, Reichert 2015, Sprenger/Engemann 2015 sowie das Themenheft ‚Quantified Selves‘ des Journals Digital Culture & Society 2/1 von 2016).
  9. [9] ‚Big Data‘ bezeichnet digital gespeicherte Informationen, die durch soziale Medien, vernetzte Sensoren oder das Internet generiert werden. Ein wesentlicher Teil der Big Data-Struk­turen werden von privaten Technologie-Unternehmen wie Google, Amazon, IBM und Twitter betrieben (Rabari/Stoper 2015). Doch auch im Lifelogging-Bereich wird Big Data produziert und durch die entsprechenden IT-Portale weiterverarbeitet (vgl. Selke 2016).
  10. [10] Zur Verwendung dieses Subjekt- und Kritikbegriffs innerhalb der deutschsprachigen kritischen Stadtgeographie siehe Belina/Naumann/Strüver 2016.
  11. [11] Siehe z. B. die Portale https://foodsharing.de und http://gartenpiraten.net (letzter Zugriff jeweils am 12.4.2017) – auch als digitale Vernetzungsplattformen für die größeren und v. a. politisch aktiven Urban-Gardening-Projekte in Deutschland, u. a. Gartendeck und Keimzelle in Hamburg.
  12. [12] Vgl. zudem www.countercartographies.org (letzter Zugriff am 12.4.2017).

Autor_innen

Sybille Bauriedl ist Geographin und arbeitet zu sozialwissenschaftlicher Klimaforschung, geographischer Geschlechterforschung, nachhaltiger Stadtentwicklung und dezentraler Energiewende.

bauriedl@uni-bonn.de


Anke Strüver ist Sozialgeographin und beschäftigt sich mit den Wechselverhältnissen von Raum-, Gesellschafts- und Subjektkonstitution sowie der Produktion und Nutzung städtischer Alltagsräume.

anke.struever@uni-hamburg.de

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ISSN: 2197-2567

s u b \ u r b a n. zeitschrift für kritische stadtforschung